4. Band der Materialien und Untersuchungen zur Utopie und Phantastik

Julius von Voß
Ini: Ein Märchen aus dem ein und zwanzigsten Jahrhundert;
Eine Utopie der Goethe-Zeit.
Neu herausgegeben und kommentiert von Ulrich Blode
Oberhaid: Utopica, 2008
Materialien und Untersuchungen zur Utopie und Phantastik; Bd. 4
212 S. - Hardcover
29,98 EUR
ISBN-13: 978-3-938083-11-6
 

Bestellen Sie versandkostenfrei innerhalb Deutschlands!
Zum Bestellformular geht es
hier

 Leser- und Pressestimmen

Von allen Nachdruckprojekten der letzten Jahre ist dies das eindeutig interessanteste und wichtigste!

                                                Hermann Ibendor
       [Die vollständige Rezension beim TEMPORAMORES-Newsletter 128 finden Sie hier]

... eine wichtige Veröffentlichung in einem wieder sehr stabilen und schön aufgemachten Hardcover ...
                                                  
Thomas Harbach
                           [Die vollständige Rezension beim SF-Radio finden Sie
hier]

 Leseprobe

Anton, Ludwig (1872–1941)

Geboren am 26. 7. 1872 als Sigmund Krauss in Wien, gestorben am 8. 12. 1941 ebd.
Er änderte seinen Namen zu A. Nach Studium der Medizin in Wien Militärarzt im 1. Weltkrieg.
Im Nebenberuf schrieb A. schrieb außer einem Kriminalroman (Der Kiek, 1924) und einem Theaterstück (Notwehr, 1921) mehrere SF-Romane (u. a. Die japanische Pest; 1922; Verlorenes Paradies; 1926) und -Kurzgeschichten (Sammlung: Wie der Krieg sein Ende fand, 1919) mit nationalistischen Untertönen. Sein Roman Brücken über den Weltenraum (1922) schildert einen der ersten Raumflüge zur Venus. Hugo Gernsback ließ ihn für sein Magazin Wonder Stories Quarterly (als Interplanetary Bridges, 1933) übersetzen. A.s Roman Der Mann im Schatten (1926) handelt von einem Arzt zur Zeit Napoleons. Dieser kann aus der Planze Yajé einen Extrakt gewinnen, der hellseherische Kräfte verleiht. Das gleiche Motiv wird auch in Gift aus Amerika (1933) angeschlagen, einer ganz unwahrscheinlichen und stereotypen Abenteuergeschichte. Als einziger Roman A. neben Der Mann im Schatten erlebte Die japanische Pest , in der die bakteriologische Kriegführung thematisiert wird, eine zweite Auflage. Einschlägig ist außerdem der Roman Verlorenes Paradies, der das Motiv des Revanchekrieges mit Frankreich und das der Welteislehre Hörbigers kombiniert. A.s Romane, oft mit einem Schuss Okkultismus versehen, bedienen die bekannten Klischees: wunderschöne Frauen, ausländische Agenten, verschlagene Asiaten und geniale Deutsche.

Bibliografie: Wie der Krieg sein Ende fand und andere Geschichten. Wien; Leipzig: Karl Harbauer, 1919, 29 S.
Brücken über dem Weltenraum: Roman. Bad Rothenfelde/Teutoburger Wald: Johann Georg Holzwarth, 1922, 335 S.
Die japanische Pest: Roman. Bad Rothenfelde: Holzwarth-Verlag, 1922, 335 S.; Neuaufl. Leipzig: Ernst Keils Nachfolger (August Scherl), 1925, 247 S.
Der Mann im Schatten: Roman. Braunschweig; Hamburg: Berlin: Georg Westermann, 1926, 308 S.; 2. Aufl. ebd.
Verlorenes Paradies: Roman. Braunschweig: Georg Westermann, 1926, 293 S
Gift aus Amerika: Ein Wiener Abenteurer-Roman. Regensburg: Verlagsanstalt vorm. G. J. Manz AG, 1933, 185 S.

Sekundärlit.: Heyne 1988: 181; Bleiler 1990: 14–5; WF 1992; Hermand 1995: 359; BL 1998; WF 2003.

Wie der Krieg sein Ende fand und andere Geschichten (1919)
Dieser Band aus drei Kurzgeschichten steht stark unter dem Eindruck des 1. Weltkriegs und ist wahrscheinlich vor dessen Ende geschrieben worden.
»Wie der Weltkrieg sein Ende fand« ist eine naive Anti-Krieg-Story mit nationalistischen Zügen. Prof. Cusius findet das Gäon, den Grundstoff, der aus der Luft gewonnen wird und aus dem sich alle anderen Stoffe zusammensetzen lassen. Er stellt seine revolutionäre Erfindung dem Deutschen Reich zur Verfügung. Doch der seit vier Jahren andauernde Krieg wird damit nicht beendet: die Engländer stehlen die Erfindung, und bald darauf verfügen auch alle anderen Nationen über sie. Durch die dauernde Entnahme von Luft aus der Atmosphäre entstehen gewaltige klimatische und andere Veränderungen. Die Menschen sind gezwungen, Atemmasken zu tragen und sich in der Taubstummensprache zu verständigen. Trotzdem lehnen die Franzosen und Engländer Friedensangebote Deutschlands ab. Als die kriegmüden Massen das englische Parlament stürmen, entweicht dort die Luft, und alle Abgeordneten sterben. »Dann kam der Friede«, so der Schlußsatz.
»Kriegslatein«: Ein namenloser Erzähler gibt Soldaten, die von der Front in die Heimat zurückkehren, Hinweise zum Ausschmücken von Kriegserzählungen, damit sie sich beim Kriegslatein nicht verplappern – was natürlich prompt dem Erzähler selbst passiert.
»Aus der ›Norddeutschen Allgemeinen« vom 20. Oktober 1919. Im Voraus mitgeteilt«: Aus der Sicht eines japanischen Obersten (Japan befindet sich zur Abfassungszeit der Geschichte auf Seiten der Alliierten im Krieg mit Deutschland) wird die aktuelle Kriegssitation beschrieben. Er sieht Deutschland kurz vor dem »Endsieg« und rät der japanischen Regierung zu einem Übertritt auf die deutsche Seite.

Brücken über den Weltenraum (1922)
Die deutschen Wissenschaftler Karl Lindner, Fritz Meixner und Otto Taußig haben zu Ende des 1. Weltkriegs das neue Element »Varium« entdeckt, das auf vielfältige Weise eingesetzt werden kann. U. a. bewirkt es bei elektrischer Stimulaton Antigravitation. Damit sind die drei sogar in der Lage, mit ihrem Allzweck-Fahrzeug »Asträa« zur Venus zu fliegen. Das Expeditionsteam, finanziert von dem geheimnivollen Millionär Martin und mit Wissen der deutschen Regierung findet einen urtümlichen, von intelligentem Leben unbewohnten Planeten vor. Glücklicherweise entdeckt man auf der Venus außerdem riesige Diamantenvorkommen, womit eine weitere Venusexpedition mit deutschen Kolonisten ausrüsten kann. Hier und in anderen Romanen A.s kommt die Hoffnung auf eine Revision des Versailler Vertrages und auf neuen »Lebensraum« zum Ausdruck.

Die japanische Pest (1922)
Der Roman beschreibt die Halluzination des deutschen Bakteriologen Fritz Wieser, der während eines Empfangs in wenigen Sekunden ein ganzes Schicksal durchleidet: Wieser wird von Japanern zur Erforschung und Bekämpfung einer »Pestseuche« angeworben. Auf einer geheimen Inselfestung im pazifischen Ozean kommt er einem Komplott auf die Spur: Japan bereitet einen Krieg mit den USA vor. Als Wieser wegen Verrats von einem Hinrichtungskommando erschossen wird, erwacht er aus seinem hypnotischen Traum.

Verlorenes Paradies (1923)

Nach einem Flugzeugabsturz in Südamerika werden einer Deutscher, ein Franzose und ein Schwede von einem Eingeborenenstamm aufgenommen. Der Genuss von Tabak führt seltsame Träume von bekannten Ereignissen der Vergangenheit herauf, allerdings auch von einem uralten tausendjährigem Reich, in dem die Menschen ungeahnte Fähigkeiten besaßen, und von einer Zukunft, in der die Menschheit durch das Herabfallen des Mondes (Hörbigers Welteislehre) vernichtet wird.
Abgesehen von den nationalistischen Ausfällen und des für A. fast stereotypen Motivs der Halluzination durch Rauschmittel ein recht inspirierter Roman.

Bestellen Sie jetzt unter mail@utopica.de oder rufen Sie uns an unter 09503-5336 !                             
                                                     [
Bestellen]